Bensu  of  Placid Roses
Nederlandse Kooikerhondje



D I E S    U N D    D A S

 

Ich glaube, dass es mein größter Ehrgeiz ist im Leben ist, Anderen weiterzugeben, was ich weiß. - Frank Sinatra


Eine Entenkoje in Oldsum auf Föhr
– Kooikerhondje im Einsatz


 


Mitten in der Marsch liegt nördlich von der idyllischen Gemeinde Oldsum (Insel Föhr) die Oldsumer Vogelkoje, eine historische Entenfanganlage, die 1862 nach holländischem Vorbild angelegt wurde, um die im Herbst nach Süden durchziehenden, nordischen Wildenten abzufangen. Die Wildenten streifen hier auch die nordfriesischen Inseln,  denn in den Watten finden sie reichlich Nahrung.


Die wunderschöne grüne Natur und die urigen Reetdachhäuser mit ihren bunt blühenden Vorgärten strahlen friesische Gemütlichkeit aus. 

Daher verbringen wir zum zweiten Mal unseren Sommerurlaub mit Kind und Kooiker auf Deutschlands zweitgrößter Nordseeinsel Föhr.


Und was im Sommer 2021 leider noch nicht möglich war, dürfen wir 2022 erleben:

Vogelkojenwärter Magnus Pedersen mit Kooikerhondjedame Catisha vom Torfmoorsee lädt uns ein, seine Entenkoje zu besichtigen. 

Entsprechend den holländischen Kojen – die bereits um 1550 entwickelt wurden – liegt die Oldsumer Entenkoje in einem kleinen künstlich angelegten Wäldchen aus Weiden, Erlen, Birken und Pappeln in der Nähe des Deichs. Es handelt sich um schnellwüchsige und windvertragende Bäume für die Küste, die einerseits den Wasserteich in eine grüne Ruhezone einbettet und andererseits dem Kojenmann bei seinen Pirschgängen zu den „Pfeifen“ (den Fangkanälen) Deckung bietet.


Bei einer Fahrt durch die Marsch – den flachen Landstrichen hinter dem Deich ohne natürliche Erhebungen – springt einem gleich ein kleines Wäldchen ins Auge, dessen Bäume und Büsche windgebogen sind. Einen Eingang zu der im Wäldchen versteckten Entenkoje sucht man vergeblich.

Da entdecken wir Magnus roten Kojen-Flitzer, einsam abgestellt vor einer Schafwiese. Nachdem Jackson und Kooikerdame Catisha vom Torfmoorsee (Züchterin: Angelika Bachmann) sich angenähert haben, dürfen wir alle auf die Wiese eintreten. Vorbei an ein paar Schaffamilien, die uns neugierig beäugen, öffnet Magnus uns ein kleines Törchen. Vorsichtig überqueren wir mittels des schmalen, einklappbaren Holzstegs den Graben, der die Koje ringsherum umgibt. Es fühlt sich an wie der Eingang zu einer anderen Welt. Das kleine Kojenwärterhäuschen stammt noch aus den vergangenen Tagen der Föhrer, als diese noch als Kapitäne und Steuermänner zur See und auf Walfang fuhren. In dem kleinen Kojenhäuschen lebte damals der Fänger während der Fangzeit. Die Arbeit als Kooibas war zu dieser Zeit sehr begehrt: Es bedeutete Einkommen, Unterkunft und regelmäßige Mahlzeiten.

 


Magnus berichtet uns weiter von den damaligen acht Gründern der Interessengemeinschaft Oldsumer Vogelkoje, der die Entenkoje – lizensiert vom damaligen dänischen König - heute immer noch gehört. Am 5. Mai 1863 gaben diese acht Interessenten, die aus vermögenden Kapitänen, Seeleuten, Landwirten und Kaufleuten (mehr unter www.Oldsum-auf-Foehr.de) bestand, sich eine Satzung, die noch heute Gültigkeit hat. In dieser Entenkoje
darf wegen ihrer kulturhistorischen Bedeutung und zur Erhaltung der schutzwürdigen Funktion als Ruheinseln in der Kulturlandschaft auf Föhr der Fang von Enten im Rahmen der bei der Verkündung dieser Verordnung gültigen Satzung der Interessengemeinschaft "Föhrer Entenkojen" nach Maßgabe des § 2 durchgeführt werden.“
(§ 1 der Landesverordnung über den Betrieb der Vogelkojen auf Föhr (kurz VogKojV SH (Verfassung v.23.12.1994)). Seit 1967 dürfen in Deutschland nur noch auf der Insel Föhr Wildenten gefangen werden. So wie die Oldsumer Vogelkoje (1862) sind noch weitere drei - von den insgesamt einmal sechs vorhandenen Kojen auf Föhr -  aktiv: 

Die Neue Oevenumer Koje (1789), die Alte Oevenumer Koje (1730) und die Borsumer Koje (1745).
Die Boldixumer Vogelkoje ist inaktiv, kann in den Sommermonaten aber besichtigt werden.


Aus den Massefanganlagen von damals, als noch Pfeif,-, Knick- und Spießenten gefangen wurden, die den Speiseplan der Föhrer erweiterte und den Wohlstand der Inselbewohner erhöhte, ist eine Ruhezone für Enten und Wildvögel geworden. Entenkojen sind heute kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, bei denen der Naturschutz im Vordergrund steht. Die Kojen sind Ruhezonen und naturbelassener Lebensraum für zahlreiche Tiere. Etlichen Vögeln bietet diese Brutplätze. Aber auch andere Tiere finden hier Schutz. So zeigt Magnus uns auch eine Stelle, an der ein kleines Rehkitz geruht hat. Auch Bienen bietet Magnus in seiner Koje ein Zuhause. Schließlich dienen die Kojen der Forschung.
Leider kommen auch ungeladene Gäste wie Ratten, Mäuse und Bisams in die Entenkoje. Hier räumt Catisha auf. „Catisha ist rattenscharf“, bemerkt Magnus stolz. Der kleine aufmerksame Vierbeiner hält die Koje sauber!



Bei der Oldsumer Entenkoje handelt es sich heute um eine selektive Jagstätte, bei der eine begrenzte Anzahl der nicht geschützten Stockenten jährlich von  1. September bis 15. Dezember gefangen werden darf (§ 2 III und IV  VogKojV SH). 300 m landeinwärts rund um die Entenkoje darf nicht gejagt werden, da absolute Ruhe wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Fang ist. Insbesondere darf nicht geschossen werden, denn sonst lassen sich keine Wildenten anlocken.
Mit viel Arbeit und Mühe gelingt es Magnus ca. 60 Stockenten in der Jagdsaison zu fangen. Besonders zur Weihnachtszeit sind die wohlschmeckenden Wildenten heiß begehrt. Wohl bedacht verteilt Magnus die gefangenen Enten. „Besonders gut schmeckt der Entenbraten meiner Frau“, schwärmt Magnus. Vor über 30 Jahren hat Magnus die Entenkoje mit seinem Vater wieder hergerichtet, so dass die Fanganlage wie einst in ihrer ursprünglichen Weise genutzt werden kann. Die Tradition wird seitdem von Magnus ehrenamtlich bewahrt. Aber auch Magnus genießt als Naturmensch seine tägliche Auszeit in der Koje.


Eine Entenkoje (von niederländisch kooi „Käfig, Verschlag, Stall“, hochdeutsch Koje) ist eine Einrichtung, die dem Fang von Wildenten dient. 

Die Anlage besteht in der Regel aus einem quadratisch, künstlich angelegten Süßwasserteich von ca. 60x60m Fläche. Der Oldsumer Kooitümpel ist sternförmig. Magnus zeigt uns, wie auf dem Teich zahme Stockenten schwimmen, die von ihm regelmäßig gefüttert werden. Von den Ecken des Kooitümpels zweigen sich fünf allmählich verjüngende, hornförmig gebogene und nach oben gegen Ende hin verschlossene ca. 20-30 m lange Kanäle, die sogenannten Fangpfeifen (friesisch: piip) ab. Der gekrümmte Verlauf der Gräben soll verhindern, dass die Enten ihre Falle sehen. Die Fangpfeifen enden jeweils in Reusen, die in ihrer Länge mit Netzen bedeckt und von dichtem Schilf und Gebüsch umgeben sind. Die gespannten Netze verhinderten die Flucht nach oben. Entlang der Pfeifen sind Wände aus Reet aufgestellt, hinter denen sich der Kojenwärter versteckt. Welche Fangpfeifen Magnus nutzt, bestimmt der Wind. Da Enten immer gegen den Wind starten, bringen die Pfeifen, die entgegen der Windrichtung liegen, den besten Fangerfolg.Magnus wirft nun Futter bestehend aus Gerste und Unkrautsamen auf den Weg der Pfeifen, um die zahmen Stockenten anzulocken. Es muss absolute Ruhe herrschen und es dürfen keine hastigen Bewegungen erfolgen. Die gezähmten Enten werden durch das Futter in die Pfeife gelockt. Ihre wilden Verwandten folgen ihnen in die Fanggräben hinein. 

Jetzt kommt auch Kooiker Catisha zum Einsatz. Durch Herumtänzeln mit wedelnder Rute lockt sie die neugierigen Enten in den Kooi am Ufer. Nicht nur, dass seit 1967 in Deutschland lediglich auf Föhr noch Wildenten gefangen werden dürfen, ist die Oldsumer Koje die einzige Koje, wo noch ein Kooikerhondje seiner Bestimmung nach arbeiten darf. Denn der Nederlandse Kooikerhondje, kurz „Kooiker“ genannt, hat seinen Namen von diesen speziellen Fanganlagen zwecks Entenjagd, den sognannten Entenkooien erhalten. Auf Grund ihrer Intelligenz, ihrer Treue, ihrer Wachsamkeit und ihres ausgeglichenen Wesens sind die Kooiker bis heute bei der Entenjagd, bei der sie als „Lockvogel“ eingesetzt werden, hoch geschätzt.

Magnus schickt Catisha nun in die Fangpfeife. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin sich zu zeigen. Auf Nachfragen erzählt Magnus, dass das Fangen der Enten mit einem Hund deutlich besser gelinge. Der Hund lenke die neugierigen Enten, die neben einem ausgezeichneten Gehör auch sehr gute Augen hätten, vom Menschen ab. Die Enten seien so auf den Hund konzentriert, so dass sie nicht auf den Menschen achten. Daher sei das Fell des Kooiker auch so bunt und auffällig gezüchtet worden. Unterstützt wird Catisha durch die zahmen Lockenten. Magnus verwendet ausschließlich gezähmte Stockenten als Lockenten. Auf diese Weise lockt man auch ausschließlich Stockenten in die Falle.

Eine Entenkoje ist ein wertvolles Biotop, eine kleine eigene Welt, die einem Magnus gerne zeigt. Zwischen Kooiker Catisha und Magnus spürt man ein enges Vertrauensverhältnis, das Magnus durch Einfühlungsvermögen, Konsequenz, Ruhe und Gelassenheit begründet hat. Bei Beobachtung der zauberhaften Catisha fällt auf, wie freudig sie durch die Koje streift. Catisha kann ihrer jagdnahen Beschäftigung, die der Kooiker braucht, um glücklich und zufrieden zu sein, nachgehen. 

Der Kooiker gehört ja auch laut FCI zur Jagdhundgruppe 8 Sektion 2, den Stöber- und Wasserhunden. (siehe auch im Internet unter DCK - Deutscher Club für Kooikerhondje e.V.) Auch hat der arbeitswillige Kooikerhondje viel Spaß an gemeinsamen Aktivitäten. Magnus und Catisha bilden ein wunderbares Beispiel.

Nun kurz zurück zur Entenjagt: Haben Catisha und die Lockenten es nun geschafft, die Wildenten weit genug in die Pfeifen zu locken, tritt der Kojenwärter hinter den Reetwänden hervor und zeigt sich den Enten. Durch sein Erscheinen erschreckt er die Tiere, die weiter in den Fanggraben hinein fliehen und in die Reuse geraten. Geht ein Tier ins Netz, prüft Magnus, um was für eine Ente es sich handelt. Hält Magnus die gefangene Ente für gut, wird sie „gegringelt“, d.h. rasch und schmerzlos durch Halsumdrehen getötet.

Herzlich möchten wir uns bei Magnus Pedersen und seiner Catisha bedanken. Wir hoffen, dass die beiden noch lange gesund bleiben und die Entenkoje gemeinsam weiter pflegen und hegen. Auch gilt unser Dank dem norwegischen Künstler Trond Ansten, Künstler aus Nordnorwegen, der uns seine Photos von der Koje aus der Vogelperspektive zur Verfügung gestellt hat. Trond war im Frühjahr 2022 für sein Forschungsprojekt „Vogelkojen“ zu Besuch bei Magnus Pedersen. Wie Magnus ist auch er Jäger, Fischer, Sammler und Naturmensch.
Kein Wunder, dass die beiden sich so gut verstanden haben.

Wer einmal die Insel Föhr besucht, sollte einmal eine Entenkoje besuchen!

Das lohnt sich sehr!



Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das Leben hindurch.  - Franz Grillparzer


Mitarbeit im DCK e.V.
– Unser Einsatz in der Bezirksgruppe West


Seit Ende 2022 betreuen Brigitte Normann und ich die Bezirksgruppe West (Nordrhein-Westfalen) im DCK e.V. Ein Blick auf die Webseite des DCK e.V. lohnt sich. Hier erfährt der Kooiker-Liebhaber viele interessante Neuigkeiten über diese außergewöhnliche Hunderasse. U.a. die verschiedenen Hundespaziergänge, die von den einzelnen Bezirksgruppen des Vereins organisiert werden, sind sehr zu empfehlen.

Ende Juni 2024 wirkt die BZG West bei einer Clubshow mit. Wir freuen uns auf unsere erste Hundeausstellung in Rheurd.

Demnächst planen Brigitte & ich noch Ringtraining für unsere DCK-Mitglieder.

Auch weitere Projekte sind geplant: 

Schaut regelmäßig auf der Webseite des DCK e.V.  vorbei oder meldet Euch bei uns: bzg-west@kooikerhondje-ev.de